Eigene Grenzen erkennen und überwinden

Wann und wie setzt Du eigentlich Deine persönlichen Grenzen? Nicht nur in Gesprächen und in der Interaktion mit anderen Menschen, sondern vor allem auch für Dich gedanklich – auf Dich und Deine Fähigkeiten, Deine Kenntnisse und die Gestaltung Deines Lebens bezogen?

Eine oft gehörte Antwort in Gesprächen mit meinen Klienten und Klientinnen lautet: Das würde ich ja, aber das geht ja nicht. // Das kann ich ja nicht. Das wäre toll, aber so ist es ja nicht. Das schaffe ich dich nie. Dafür müsste ich ja…. 

Eine oft gehörte Antwort meines fast achtjährigen Sohnes auf zunächst verrückt erscheinende Ideen lautet: Ja und? Das muss ich halt noch erfinden. Ist nicht schlimm. Ich schmunzle dann immer aber freue mich, dass er sich selbst (noch) keine Grenzen setzt. In seiner Vorstellung kann er alles sein und machen – völlig egal, was. Es gibt keine Grenze in seiner Fantasie über seine Zukunft. 

Nun spüre einmal in Dich hinein. Träume Dich weit weg. Wenn Zeit und Raum keine Rolle spielen würden und Du machen und sein kannst, wer und was Du magst – was würdest Du dann sehen? Wie ein leeres Blatt Papier, welches von Dir frei gestaltet und bemalt werden darf, wie Du es Dir wünscht. Erschaffe eine Traumfigur von Dir selbst. Ohne Vorgaben; ohne Regeln.

Etwas sehr Beruhigendes für mich ist immer der Gedanke, dass alles in seinem Tempo erfolgt und ich prinzipiell nichts muss. Ich darf entscheiden, ich darf mein Leben gestalten. Es wird niemand anderes für mich so machen, dass ich glücklich bin. Die Verantwortung für ein Leben im Einklang mit mir selbst, liegt eben auch bei mir. Für viele auf dieser Welt ist das ein Privileg. Es gibt leider immer noch viele Menschen, die gar keine Wahl haben, wie ihr Leben verläuft.

Deine Traumfigur, die Du vor wenigen Minuten erschaffen hast, muss also kein Traum blieben. Du musst diese fiktive Person auch nicht zu 100% sein oder werden. Oftmals reichen schon kleine Schritte, die Dich in eine neue Perspektive versetzen. Und von hier wirst Du die Dinge um Dich herum anders wahrnehmen, was dann wiederum zu einer neuen, erweiterten Sichtweise führen wird. Dein Ausblick auf Deine Zukunft wird sich nach und nach erweitern, so dass sich der nächste Schritt beim Gehen zeigen wird. Das braucht Mut und Vertrauen – vor allem in Dich selbst. Die eigene Komfortzone zu verlassen ist meist erst einmal mit einem inneren Widerstand begleitet – sofern Du es allerdings schaffst, den Mut aufzubringen aus Deiner gewohnten Komfort- in Deine Lernzone zu gelangen, wirst Du dich selbst überraschen. Eine Hilfe dabei kann ein klarer Plan sein – ähnlich wie bei einem Projektplan. Du kannst Dir davon abgeleitet grobe Meilensteine setzen, die eine Veränderung hin zu der Traumfigur begünstigen. Für Deinen Start reicht es, dann den ersten Schritt von Deinem ersten Meilenstein zu planen, den Du jetzt gehen musst. Nimm Dir selbst den Druck, Deine Veränderung passgenau schon heute in einzelne Ziele brechen zu können. Erlaube Dir, aus jedem einzelnen Deiner Schritte, ein Learning zu ziehen und daran zu wachsen. Ein guter Start kann zum Beispiel sein, sich mit Menschen zu unterhalten, die Dir bereits einen oder mehrere Schritte voraus sind. Oder die schon Erfahrungen gesammelt haben, die Dir noch fehlen. Tausche Dich einfach einmal aus. Lass Dir erzählen, wie es sich anfühlt. Wie geht es den Menschen? Was begeistert sie? Was war ihr erster Schritt?

Man muss seinen Traum finden, dann wird der Weg leicht. 

(Hermann Hesse)

Ja; du könntest darauf antworten: Das ist ja das Problem- ich kenne meinen Traum nicht. 

Meine Antwort für Dich lautet: Nimm ein leeres Blatt und gestalte die Person, die Du wärst, wenn alles möglich ist. Wenn Zeit, Geld, Umstände und Begebenheiten keine Rolle spielen. Und dann geh‘ den ersten Schritt.